Schloss Lippitzbach

Das Schloss Lippitzbach, ein repräsentatives, durch einen historischen Kapellenanbau ausgezeichnetes Gewerkenhaus des frühen 19. Jahrhunderts, befindet sich südlich von Ruden in dem ehemaligen Werksweiler Lippitzbach auf einer Terrasse über dem schluchtartigen, tief eingeschnittenen Flussbett der Drau im Süden und der Einmündung des Wölfnitzbaches im Osten.

Das am wirtschaftlichen Höhepunkt der verarbeitenden Eisenproduktion in Lippitzbach wiedergegebene Stahl- und Walzwerk, dessen Verwaltungszentrum das klassizistische Schloss bildete, wurde 1894 stillgelegt.

Nach dem weitgehenden Verfall der technischen Anlagen dokumentieren nur noch Mauerreste der ehemaligen Werksgebäude, das schlossartige Herrenhaus, eine von Ferdinand Graf Egger 1836 in Erinnerung an seinem Großvater Max Thaddäus errichtete Denkmalbüste, mehrere als Wohngebäude fungierende Nebenobjekte, sowie die 1864 westlich der Werksanlage errichtete Grabkapelle des Ferdinand Grafen Egger die Blütezeit der Kärntner Eisenverarbeitenden Industrie um die Mitte des 19. Jahrhunderts.

 

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts betrieb der Genuese Baptist Mazzugon an der Mündung des Wölfnitzbaches in die Drau ein Hammerwerk, welches 1696 Georg Siegmund Christalnigg erwarb. Unter Josef Edlen von Kronthal wurden um 1770 in Lippitzbach Zainhämmer (zur Herstellung von Stabeisen), Blech- und Nagelschmieden errichtet.

Mit dem Kauf der Lippitzbacher Hämmer 1791 durch Max Thaddäus Graf Egger, dem bedeutendsten Gewerken seiner Zeit in Kärnten, begann der große wirtschaftliche Aufschwung der Lippitzbacher Eisenindustrie.

Graf Egger berief zwei englische Sachverständige für Walz- und Schneidewerke (Thomas Lightowler und W.E.Sheffild), um eine Anlage für die Erzeugung von englischen Gussstahl und englischen Weissblech einzurichten. 1807 wurde der Grundstein zum bis dahin einzigen Blechwalzwerk Österreichs gelegt.

Nach dem Tod von Max Thaddäus Graf Egger im Jahre 1805 übernahm dessen noch minderjähriger Sohn Ferdinand bzw. ein Vormund bis 1827 die Leitung des Werkes. Um 1830 verfasste Umbaupläne, die eine symetrische Neufassadierung der nördlichen Schauseite des Gewerkenhauses vorsahen, geben einen „terminus ante querm“ für die Errichtung des klassizistischen Baues.

Die an der Nordwestecke des Schlosses angebaute, in der Fassadengestaltung neugotische, im Inneren klassizistische Kapelle, für welche urkundlich eine Messlizenz von 1843 überliefert ist, könnte auf Grund der Asymmetrie der nördlichen Schauseite sowie der Grundrissdisposition im Inneren in einem zweiten Bauabschnitt errichtet worden sein.

Unter Ferdinand Graf Egger wurde das westlich des Schlosses situierte (eingeschossiger, freistehender Bau), um ein zweites Geschoss aufgestockt sowie um eine Achse nach Osten erweitert und dadurch mit dem anschließenden Schlossbau verbunden.

Ferdinand Graf Egger, verheiratet mit Notburga geborene Gräfin Lodron-Leterano, starb 1860  und ist in der 1864 westlich des Industrieareals errichteten (und unter Denkmalschutz gestellten) neugotischen Grabkapelle beigesetzt.

Wegen der durch die aufkommende Konkurrenz und infolge Brennstoffmangels immer schwieriger werdenden Lage der Kärntner Eisenindustrie wurde das Werk unter dem Freiherrn Ferdinand und Karl Helldorf 1894 stillgelegt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde an der östlichen Schmalseite des Schlosses ein im Erdgeschoss gemauerter und im ersten Obergeschoss als Holzveranda ausgeführter kleiner Zubau errichtet.

Das Industrieareal war bis 1938 im Eigentum der Freiherrn von Helldorf und gelangte über die Österreichische Realitätengesellschaft sowie die Hoch- und Tiefbaugesellschaft Universale 1942 in das Eigentum der „Otto Rzehak Leinen- und Baumwollweberei“, welche im westlichen, an das Schloss angebaute Wirtschaftstrakt, eine Weberei betrieb. Zu dieser Zeit wurden die ursprünglich offenen Pfeilerarkaden im Erdgeschoss des Nebengebäudes bis auf die mittlere vermauert.

Das ehemalige Eisenraffineriewerk ist heute im Eigentum einer „Eigentümergemeinschaft Rzehak – Lippitzbach“.

Die Walmdächer des Schlosses und des Nebengebäudes wurden in den  neunziger Jahren  neu eingedeckt.

Das Schloss und die Nebengebäude werden für private Wohnzwecke genutzt.

 

Der Schlossanlage Lippitzbach kommt als Zeugnis der großen industriellen Vergangenheit dieser Region geschichtliche, baukünstlerische und kulturelle Bedeutung zu.